Du arbeitest im Weingarten – Laubarbeit, Triebe einstricken usw. Auf einmal entdeckst du „ölige“ Flecken auf den Blättern und vielleicht siehst du auch noch Gescheine, die mit weißem Pilzrasen überzogen sind. Schöne Bescherung! Du hast Peronospora in deinem Weingarten!

Peronospora ist ein Pilz, der alle grünen Rebteile befällt und dir einen erheblichen bis totalen Ernteausfall bescheren kann. Dieser invasive Schädling hat sich vor knapp 150 Jahren aus Nordamerika nach Europa geschlichen und besitzt viele Namen: Die geläufigsten Bezeichnungen sind „Falscher Mehltau“ und Peronospora (Plasmopara viticola), er wird aber auch als Blattfallkrankheit oder Lederbeerenkrankheit bezeichnet.

Wie du ihn zweifelsfrei erkennst und was ihn so gefährlich für deine Reben macht, erfährst du im folgenden Artikel.

Der Schlüssel für die Peronospora-Bekämpfung: die Biologie des Pilzes kennen!

Peronospora liebt alle grünen Rebteile und auf diese ist er auch angewiesen, wenn er sich ungeniert ausbreitet. Das ist aber nur ein Faktor von vielen!

Findest du schon im zeitigen Frühjahr einen Befall in deiner Anlage, musst du etwas an deiner Bekämpfungsstrategie ändern. Das frühzeitige Auftreten rührt nämlich schon von einem hohen Ausgangsdruck von überwinterten Sporen (Oospore) aus dem letzten Jahr, von befallenem Reblaub, Trauben und auch Sporen im Boden. Diese dickwandigen und hartnäckigen Wintersporen sind Überdauerungssporen und sind über mehrere Jahre lebensfähig. Genau das kann dir im Folgejahr zu schaffen machen!

Peronospora-Erstinfektion schon ab 8 °C Bodentemperatur

Der Frühling kommt. Nicht nur die Vegetation im Weingarten beginnt. Auch der Falsche Mehltau erwacht aus deinem Winterschlaf. Die sogenannte Primär- oder Erstinfektion, auch Bodeninfektion genannt, passiert bereits schon ab 8°C Bodentemperatur mit einhergehender Bodenfeuchte! Die Wintersporen bilden dann einen Keimschlauch mit Sporangien am Ende aus. Kommen dann noch Niederschläge dazu, gelangen diese Sporangien rasch auf die frischen grünen Rebteile und beginnen bis zu 60 „bewegliche“ Sporen auszuschleudern. Diese beweglichen Sporen werden daher auch Schwärmsporen oder Zoosporen genannt.

Aber nun geht es los: Die Sporen wandern nun unaufhaltsam zu den Spaltöffnungen der Blätter und beginnen mit der Bildung des weißen Myzels bzw. Pilzgeflechtes an der Blattunterseite, wie du es gut auf dem Bild erkennen kannst.

Peronospora auf der Blattrückseite

Schnelle Peronospora-Ausbreitung bei 20 bis 25 °C

Neben grünen Pflanzenteilen und Feuchtigkeit auf der Blattunterseite von 2 bis 3 Stunden benötigt der Peronospora-Pilz auch noch wüchsige Temperaturen von 20 bis 25 °C für seine weitere Ausbreitung. Dann ist es geschehen! Als erstes Symptom sind die „Ölflecken“ auf den Blättern zu sehen.

Ölflecken verursacht von Peronospora - falschem Mehltau


Findest du nun diese „Ölflecken“ auf deiner Rebe, ist Vorsicht geboten: In der Folge befällt die Peronospora auch die Gescheine und bei späterer Infektion auch die Trauben! Die Inkubationszeit (bis du die ersten Schäden sehen kannst) ist einerseits von der Temperatur und in geringem Ausmaß auch von der Luftfeuchtigkeit und dem Blattalter abhängig. Im Durchschnitt beträgt die Inkubationszeit 1 bis 2 Wochen.
Lass dich aber nicht täuschen: Unter optimalen Bedingungen dauert sie nur 4 Tage!

Sekundärinfektion erzeugt neue Sporangienträger

Doch es geht noch weiter: Die „zweite Spielhälfte“ beginnt – im Fachjargon „Sekundärinfektion“ genannt. Für diese Infektionsphase benötigt der Falsche Mehltau erneut optimalen Bedingungen:

  • Temperaturen über 12 °C
  • absolute Dunkelheit
  • mehrstündige Blattnässe (2 bis 3 Stunden) durch Regen oder Tau

Dann können neue Sporangienträger auf deinen Reben heranreifen und es werden neue Zoosporen entlassen. Daraufhin erfolgt der eigentliche Ausbruch der Krankheit, für den die Peronospora wiederum ihre optimalen Bedingungen, Nässe auf der Blattunterseite und Temperaturen zwischen 6 und 30 °C benötigt.

Die Peronospora-Infektion wiederholt sich mehrmals im Sommer!

Es muss dir klar sein, dass der zuvor beschriebene Vorgang keine einmalige Geschichte ist, sondern sich sich im Laufe des Sommers mehrmals wiederholt. Findet der Falsche Mehltau seine optimalen Witterungsbedingen vor, kommt es dann rasch zu weiteren Infektionen, so dass sich die Krankheit wie eine Epidemie ausbreiten kann! Dann heißt es Laubwand oder sogar Trauben ade! Aber das muss nicht sein! Wie du den Pilz effektiv bekämpfst, liest du in unserem nächsten Artikel 6 Bekämpfungs-Tipps gegen Falschen Mehltau im Weingarten.

Ein kleiner Tipp zum Schluss:
Laut Literatur sollten Temperaturen über 30° C den Peronospora-Pilz abtöten. Verlasse dich nicht darauf! Aus einer Vielzahl an Versuchen ist mir bekannt, dass nur ein geringer Teil abgetötet wird und der Rest einfach nur auf niedrigere Temperaturen und Feuchtigkeit wartet, um sich erneut auszubreiten!