Letzte Woche stand ich mal wieder im Stau. Diesmal auf der Autobahn mitten in der Pampa. Links und rechts Stoppelfelder mit Windrädern zur Zierde. Da saß ich nun und hatte Zeit mir diese großen Ungetüme mal aus der Nähe anzuschauen. Dabei fiel mir auf wie fleckig braun die Windmühlen unten am Sockel waren. Fangen die jetzt unten an zu rosten? Ich war verwirrt.

Doch einige Tage später klärte mich ein Kollege auf. Die Flecken kamen durch das rostige Spritzwasser des Landwirts, der die Flächen rund um die Windräder bestellt. Ich musste sofort an den alten Wasserhahn im Hof meiner Großeltern denken. Aus dem kam immer eine eklige braune Brühe, wenn man ihn aufdrehte. „Das ist doch bloß Rost!“, sagten meine Großeltern. „Das macht nichts.“ Oder doch? Dem wollte ich auf den Grund gehen. 

Was du beim Spritzen von rostigem Wasser beachten musst und was das für Auswirkungen auf deine Pflanzenschutzmaßnahmen haben kann, erfährst du in diesem Artikel.

Woher kommt der Rost im Wasser?

Rostiges Wasser aus dem Hahn: liegt es an der Leitung oder kommt der Rost doch woanders her? Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

Eisen gibt es in fast allen Böden. Es ist schließlich das mit am häufigsten vorkommende Metall auf der Erde. Besonders dort wo Eisenerz oder Raseneisenstein vorkommen, musst du mit viel Eisen im Grundwasser rechnen. Und kommt dann noch Sauerstoff ins Spiel, gibt's Rost!

Wohnst du in einem Ort mit Isern (= alt für „eisern“) im Namen? Oder enthält der Ortsname direkt die Silbe Eisen-, -hütten oder Rud-? Dann solltest du hier aufhorchen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du in einem Gebiet wohnst, wo das Wasser von Natur aus viel Eisen enthält.

Bodenmerkmale, die auf eisenhaltiges Wasser schließen lassen:

  • niedrige Boden-pH-Werte
  • saures Grundwasser

Diese zwei Dinge lösen besonders gern Eisen aus den umgebenden Boden- und Gesteinsschichten. Du bist stolzer Besitzer eines Brunnens in dieser Gegend und förderst fleißig Wasser für deine Spritzungen aus dieser Quelle? Dann hast du sicherlich öfters mit Leistungsproblemen zu kämpfen. Viel Eisen im Wasser führt zu "Brunnenverockerung". Hier lagert sich Eisenocker (aber auch Manganoxid) im Brunnen ab und du kannst weniger fördern. Nutzt du dann auch noch Kupferrohre zur Förderung und Weiterleitung, so kann die braune Brühe sogar Lochfraß verursachen. Das sind keine guten Aussichten. Vor allem da auch deine Drainage davon betroffen sein kann. Erste Abhilfe ist das luftdichte Verschließen des Brunnens bei der Förderung. Wo weniger Sauerstoff, da weniger Rost. Aber auf lange Zeit hilft da nur eine professionelle Enteisungsanlage.

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit, weshalb braunes Wasser aus der Leitung kommen kann: Verrostete Rohre. Besonders Rohre aus Gusseisen oder verzinktem Eisen sind ganz vorne mit dabei, wenn's um Rost geht. Das vormals harte Metall löst sich in braune Krümelchen auf und lagert sich an den Wänden der Leitungen ab. Wäre das nicht schon ärgerlich genug, gibt’s dann noch Bakterien, die Eisen lieben. Die bilden schleimige Beläge in den Rohren, sogenannte Biofilme. Ich sag nur Keimalarm! 

Diese Biofilme können sich aber auch in Bröckchen von den Leitungswänden lösen und dann an anderer Stelle die Leitungen weiter sammeln und obendrein deine Filter verkleben. Nicht nur der Filter am Wasserhahn, das Strahlreglersieb, kann verstopfen. Auch in deiner teuren Pflanzenschutzspritze gibt es viele Filter, die durch Rostablagerungen und Bakterienbrocken verstopfen können. Womit wir endlich beim Thema angekommen sind.

Eisenhaltiges Spritzwasser ist hartes Wasser! Wirkungsverluste drohen

In unserem Artikel „Wirkungsverluste beim Pflanzenschutz? Vielleicht liegt es am harten Wasser…“ haben wir Calcium und Magnesium als Härtebildner an den Pranger gestellt. Aber nicht nur Calcium und Magnesium sind die alleinigen Übeltäter, die für hartes Wasser verantwortlich sind. Nein, auch Eisen kann dein Wasser hart und die Wirkung deiner Spritzung zu Nichte machen.

Zwar beeinflusst ein hoher Fe-Gehalt von beispielweise 20 mg/l die Wasserhärte-empfindliche Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nicht so sehr wie Ca- und Mg-Kationen, die oft deutlich über 100 mg/l (bei Calcium) und im mittleren zweistelligen mg/l-Bereich bei Magnesium liegen können. Hohe Eisengehalte im Wasser können jedoch zu Ausfällungen und Minderwirkungen bei der Ausbringung deiner Herbizide, Insektizide und Co. führen und nebenbei noch Wasserleitungen und Filter durch Eisenablagerungen verstopfen.

In vielen Laboranalysen haben wir festgestellt, dass Wasser mit einem hohen Eisengehalt (< 20 mg/l) noch einen weiteren negativen Effekt für deine Spritzung bereit hält: der pH-Wert lässt sich hier nur sehr schlecht abpuffern! Aber gerade das Abpuffern bzw. pH-Wert senken ist für einige Spritzungen zwingend erforderlich!

Ein Beispiel:

Besonders Spurennährstoffe mit Bor treiben den pH-Wert der Spritzbrühe locker um 2 Stellen (von pH 7 auf pH 9) nach oben. Dabei liegt der optimale pH-Wert für die meisten Spritzungen zwischen 4 und 6. Viele Wirkstoffe wie u.a. Phenmedipham oder Desmedipham werden bei einem pH-Wert über 7 instabil. Schon 10 Minuten in einer alkalischen Spritzbrühe mit einem pH-Wert von 9 reichen Phenmedipham aus, um komplett abgebaut zu sein. Beim pH-Wert von 5 dauert es 47 Tage. Das nenn ich mal einen Unterschied!

Wasserkonditionierer helfen dir schnell den pH-Wert abzusenken und gleichzeitig die Härtebildner wie auch unser Eisen zu neutralisieren, wenn du nicht vergisst sie als Erstes in deinen Spritztank zu geben. Andere gängige Ansäuerungsmittel wie z.B. Zitronensäure wirken auch gut, können aber dein Spritzwasser schnell übersäuern, weil sie keinen Puffer eingebaut haben. Deshalb diese Mittel vorsichtig dosieren.

Gegen verstopfte Leitungen helfen leider nur Filter. Schraube einfach einen Eisenfilter direkt hinter die Wasserpumpe und gut is. Professionelle Eisenfilteranlagen sind die bessere, aber teurere Variante. Du kannst natürlich deine Leitungen ersetzen und bist auch das Eisen los, sofern es durch verrostete Rohre verursacht wird. Aber das ist leider ein riesiger und vor allem teurer Aufwand.

Warum neben der Wasserhärte auch der pH-Wert für deine Spritzungen so wichtig ist, schreiben wir dir gerade in einem anderen Artikel zusammen. Bald findest du dann hier den Link dazu.

Rost triumphiert, aber nicht über deine Spritze

Rost nagt nicht nur an deinen Arbeitswerkzeugen oder befällt deine Maschinen, wenn sie länger stehen. Auch in deiner Spritze kann Rost Übles vollbringen. Deshalb ist auch vor der Wintereinlagerung deiner Spritze eine gründliche Reinigung super wichtig. Du weißt nun, dass auch Eisen dein Wasser hart macht und der pH-Wert mit Eisen im Wasser schlechter abgepuffert werden kann. Rostige Ablagerungen verstopfen Leitungen und auch die empfindlichen Filter in deiner Spritze. Wasserkonditionierer und Eisenfilter helfen dir, an das Thema Eisen endgültig einen Haken zu machen.

Eisen im Wasser hat nicht nur Auswirkungen auf deine Pflanzenschutzmaßnahmen,  Geräte und Maschinen. Bald kannst du hier lesen, warum du Eisenhaltiges Tränkewasser für deine Rinder, Schweine, Geflügel und Co. nicht verwenden solltest.