Du bist auf Feldrundgang in deinen Beständen unterwegs und freust dich, dass alles wächst und gedeiht. Doch was ist das? Weiße Ähren im Weizenfeld, wo eigentlich alles grün leuchten sollte? Und das sogar nesterweise Anfang Juli vor der Abreife deines Getreidebestandes?

Dann hat sich dein Bestand wohl eine von drei Getreidekrankheiten eingefangen, die die Ähre, die Halmbasis oder die Wurzel befallen und für das Symptom der Partiellen Weiß- oder Taubährigkeit verantwortlich sind. Schau genau hin, denn wenn du weißt, welche Krankheit dein Getreide befallen hat, kannst du in der nächsten Saison gezielt dagegen vorgehen und so Ertagseinbußen vorbeugen. Denn sind die Ähren einmal weiß, kann man leider nichts mehr tun.

Ein Symptom - verschiedene Getreidekrankheiten

Ährenfusariose

Diese Krankheit wird durch eine Infektion mit Fusarien – meist in der Mitte der Ähre beginnend – verursacht. Von dort aus breitet sie sich nach oben aus und ist durch ein lachsrosa-farbendes Pilzmyzel zu erkennen.

Ahrenfusariose

Häufig bietet eine wechselfeuchte Witterung ab Mitte des Ährenschiebens bis Ende der Blüte ideale Bedingungen für die Infektion. Hast du Felder mit Maisstoppelresten? Dann  gehen die Infektionen meist von den dort lebenden Pilzsporen aus. Diese werden mit dem Wind auf die oberen Blätter oder in die Weizenähren getragen und befallen diese. Die Ähren bleichen aus und bilden Schmachtkörner.

In Jahren mit anhaltend feuchtwarmer Witterung ist ein stärkerer Befall und eine höhere Mykotoxinbildung zu beobachten. Erhebliche Qualitäts- und Ertragseinbußen durch Schmachtkörner, niedrige TKGs, Fallzahlen, Sedimentationswerte und die Mykotoxine sind die Folgen.

Was kannst du tun?

  • Bei Maisvorfrucht Bodenbearbeitung durchführen und dadurch Stoppelreste und anderes organisches Material einarbeiten
  • Wähle eine gering anfällige Weizensorte (BSA Einstufung 3-4)
  • Denke an eine rechtzeitige Fungizidbehandlung (2-4 Tage nach dem Niederschlag ab Ende des Ährenschiebens), um den DON-Gehalt im Erntegut zu reduzieren

Schwarzbeinigkeit

Entdeckst du in deinem Weizenbestand nesterweise ganze Pflanzen mit weißen Ähren dann ist der Grund oft der Pilz ‚Gaeumannomyces graminis‘. Diese weltweit wichtigste bodenbürtige Getreidekrankheit ist in nahezu allen Böden zu Hause und tritt häufig in Erscheinung, wenn du früh gesät hast und ein milder feuchter Winter folgt.

Anzeichen für Schwarzbeinigkeit im Getreide

Sind deine Fruchtfolgen eher getreidelastig? Das ist nicht gut, denn dies ist befallsfördernd, denn nicht nur Weizen, sondern auch Gerste, Triticale und andere Getreidearten können befallen werden. Der Pilz kann an Stoppelresten und diversen Wirtspflanzen wie z.B. Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Quecke und Trespe jahrelang im Boden überdauern bis er dann ausbricht und für gewaltige Ertragseinbußen sorgt.

Unter bestimmten Bedingungen (Feuchtigkeit und Wärme) kann sich der Schaderreger ringförmig ausbreiten und große Teilbereiche deines Feldes befallen. Im englischen Wortgebrauch wird diese Krankheit daher „Take-all“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „nimmt alles“.

Die Engländer haben nämlich die bittere Erfahrung gemacht, dass bei starkem Befall Ertragsverluste von 50 % und mehr möglich sind. Dringt der Pilz durch die Wurzeln in die Leitungsbahnen der Pflanze ein werden diese geschwächt und können die vorhandenen Nährstoffe (Stickstoff, Mikronährstoffe) und auch Wasser schlechter aufnehmen.

Besonders die Feinwurzeln, die auch kleinere Bodenporen erschließen, werden geschädigt. Daher sind diese Pflanzen anfälliger gegenüber Trockenstress und weniger vital. Eine reduzierte Ährenanlage und eine schlechtere Kornfüllung bis hin zur vorzeitigen Abreife sind die Folgen. Wenn du diese Pflanzen ausgräbst, findest du oft richtig schwarz verfärbte Kümmerwurzeln und eine oft schwarz verfärbte Halmbasis. Daher auch der Begriff Schwarzbeinigkeit.

Was kannst du tun?

  • Ein Schutz ist nur mit einer Spezialbeize (Wirkstoff Silthiofam) möglich, denn Standardbeizen sind gegen diese Wurzelkrankheit machtlos
  • Vermeide frühe Saattermine
  • Bekämpfe Ungräser, die als Wirtspflanzen dienen
  • Vermeide einen hohen Getreideanteil in deiner Fruchtfolge
Halmbasiserkrankungen

Findest du einzelne, komplett weiße Ähren in deinem Weizenbestand kann eine Halmbasiserkrankung vorliegen. Darunter fallen Krankheiten wie Scharfer Augenfleck, Parasitärer Halmbruch oder die Fusarium-Fußkrankheit.

Bei stärkerem Befall vermorscht die Halmbasis und die Pflanzen knicken ab. Bei leichterem Befall sind die weißen Ähren zu sehen, da die Nährstoffversorgung eingeschränkt ist und die Ähren vorzeitig absterben.

Halmbasiserkrankungen

Auch dieser Pilz überdauert im Boden (mind. 2 Jahre) und sorgt im Herbst oder Frühjahr für eine Primärinfektion. Längere feuchte Witterungsperioden (die Pilzsporen werden durch Regen und Wind in deinem Bestand verbreitet), sowie eine enge Getreidefruchtfolge, frühe Herbstsaat, eine hohe Bestandsdichte und eine tiefe Kornablage fördern die Krankheit.

Spürbare Ertragsschäden kommt du, wenn bei deinem Weizen im Milchreifestadium bei der Hälfte der Halme mehr als 50 % des Halmumfangs verbräunt ist. Gerste und Roggen reagieren auf Grund ihrer schnelleren Abreife wesentlich ertragstoleranter.

Was kannst du tun?

  • Bekämpfe von Ungräser und Ausfallgetreide
  • Führe eine sorgfältige Stoppelbearbeitung durch
  • Wähle eine späte und flache Saat
  • Pflanze Sorten mit geringer Anfälligkeit (BSA Einstufung 3-4 ausreichend)
  • Eine Fungizidmaßnahme im 2-Knoten-Stadium (kombiniert mit Wachstumsregler)

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

In einigen Fällen kann die Ursache der weißen Ähren auch ein Schädlingsbefall mit Sattelmücke, Halmfliege oder Thripse sein. Das kannst du leicht herausfinden, wenn du kurz unter der Ähre am Halm ziehst. Lässt er sich einfach herausziehen, handelt es sich um einen der tierischen Schädlinge.

TIPP: Felder mit Drohne abfliegen

Welche Getreidekrankheit die weißen Ähren auf deinem Feld verursacht hat, solltest du nun leicht herausfinden können. Wie du dein Getreide schützen kannst ebenfalls. Auf jeden Fall gilt: behalte deinen Bestand im Auge!

Dazu ist die Verwendung von Drohnen sehr hilfreich. Es macht nicht nur Spaß sie fliegen zu lassen, sondern sie sind auch sehr nützlich, um deine Felder auf Krankheiten zu kontrollieren. Also, nimm dir ab und an die Zeit zum "Spielen" und betrachte deine Getreidebestände mal aus der Vogelperspektive.

Nach der Saison ist vor der Saison

Kleiner Tipp am Rande: denke schon vor der nächsten Aussaat an die Krankheiten, die du auf deinen Feldern hattest. Vorbeugendes Handeln ist hier das A und O. Denn wie bereits beschrieben, können viele Pilze über mehrere Jahre im Boden verweilen und kommen bei für sie optimalen Bedingungen wieder zum Vorschein um dein Getreide zu befallen.

Lies hier, wie du dein Getreide von der Saat bis zur Ernte gesund halten kannst.